Wo Schatten ist, ist auch Licht.

Flat Design – also Grafik ohne jedwedige Beleuchtungseffekte wie (Text-)Schatten und Verläufe in Flächen: Das war vor einigen Jahren ganz groß angesagt. Wo ist es hin?

Schatten und Verläufe - darf man das?

Diese Design-Strömung wurde von einigen Design-Gurus ausgerufen und von Apple in die breite Bevölkerung getragen: Keinesfalls dürfen Schatten verwendet werden, und Verläufe sind sowieso ganz ganz pfui. Ein Blick auf mein iPad sagt mir, dass das nicht allzu nachhaltig war: Grell bunte Verläufe und Schatten, soweit das Auge reicht.

Ich (ChioMaisriml) habe auf der Grafischen in Wien noch gelernt, wie man mit dem Airbrush fein abgestufte Beleuchtungseffekte macht und wie man Quark Xpress dazu bringt, weiche Schatten unter eine Headline zu legen (es war mühsam!)

Kollegin Sabine König hatte die Gnade der späteren (grafischen) Geburt und konnte in Adobe Indesign frei schattieren und verlaufen, dass es eine Freude war. Vielleicht deswegen kam von ihr der Spruch: „Hat der Grafiker nix drauf, macht er ‘nen Verlauf!“. Nunja ;-)

Im Büro gelandet

Harte Schatten waren immer schon pfui – weil: MS Word konnte nur harte Schatten. Weiche Schatten, das war die Kunst. Bis es dann eben alle konnten. Wirklich alle. Dann waren auch die weichen Schatten pfui. 

Komplizierter ist es mit den Verläufen: Was ist schon ein Verlauf? Klar macht man keinen Regenbogen-Hintergrund über die ganze Seite, so wie es manche Energetiker auf ihren Flugblättern vorzeigen. Aber ein dezenter Beleuchtungseffekt – ist das auch schon ein Verlauf? Technisch wohl schon, und hier gibt es Begriffsverwirrungen. Die einen haben gehört, dass jeder Verlauf pfui ist, die anderen meinen dezidiert nur den Regenbogen. ;-)

 

Die Realität

Fotografieren Sie mal eine gleichmäßige Fläche und messen Sie dann in der Bildbearbeitung die Farbwerte aus. Sie werden merken: Sie haben einen Verlauf fotografiert. Solange das Licht nicht völlig homogen ist, ist immer eine Stelle heller, blauer, grüner als eine andere. 
Wir sind gewohnt, das so zu sehen – überall ist Licht, zufällig wie die Lichtquellen eben sind.

Als Grafiker ist man gewohnt, nichts dem Zufall zu überlassen und man „setzt“ das Licht so, wie es sein soll. Mit einem dezenten Verlauf, einem Beleuchtungseffekt, der die natürliche Gewohnheit verstärkt und in die gewünschte Richtung lenkt.

Mit Schatten verhält es sich ähnlich: Was einen Schatten wirft, ist im wahrsten Sinne des Wortes hervorgehoben. Dort wo Licht (=Beleuchtungseffekt) ist, muss es nahezu zwangsläufig auch einen zarten Schatten geben.

So nebenbei kann man mit (Text-)Schatten auch ein banales Problem lösen: Ist der Hintergrund unruhig, schafft der Schatten rund um den Text soviel Ruhe, dass man ihn zumindest gut lesen kann.

Wo ist Flat Design hin?

Wie alle Modeströmungen ist Flat Design nicht so ganz weg, sondern lebt da und dort weiter. Vielleicht wird es auch wieder präsenter werden, wenn eine Marktmacht anschiebt.

In der Praxis ist es aber schwer, mit den doch recht willkürlichen Beschränkungen sinnvoll Ergebnisse zu produzieren, die nicht nur einige Liebhaber der reinen Lehre begeistern, während es andere schlichtweg für langweilig halten.

Kommentare:

Ich persönlich finde ja das orange Design in der Mitte am schönsten. Vielleicht ist es wie in der Musik. Heute werden viele alte Lieder geremixt, irgendwann kommt "altes" Design wieder und wird etwas modifiziert. Grundlage bleibt aber das alte Design.

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Ich bin gespannt wie sich das ganze UX/UI Desgin Thema im Webdesign entwickelt. Bei Apple steht mit dem neuen IOS ja angeblich auch eine Änderung der Designsprache an.

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Wahre Worte! Von "Flat Design" ist kaum etwas übrig geblieben, das hat sich schnell erübrigt. Weil es von Anfang an nur ein Hype war.

Gernot
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