Plus: Wie man früher arbeitete

Das löst immer wieder Erstaunen aus: Grafiker arbeiten doch immer mit Apple! Nein, Apple Computer haben heute weit mehr Nachteile als Vorteile.

Warum wir auf Windows-PCs arbeiten

Natürlich haben auch wir mit Apple angefangen und die „WinDose“ nur als hässliches Ding für Spezialfälle im Eck gehabt. Im Laufe der Zeit kam aber dann der Apple ins Eck und der laufende Betrieb wurde mehr und mehr auf Windows gemacht.

Dass Apple als Grafik-Computer gilt, hat historische Gründe, die vor allem mit Adobe zusammenhängen. Damalige Rechner waren sehr schwachbrüstig und Adobe schaffte es, gemeinsam mit Apple einen Workflow zu etablieren, der trotz geringer Hardware-Leistung so halbwegs funktionierte: Die Rechenleistung wurde vom Grafiker weg zu den Repro- und Satzstudios verlagert. Ein Grafiker konnte auf einem relativ günstigen Gerät die langwierige Arbeit machen; aber die kostenintensive Verarbeitung wurde in spezialisierten Betrieben gemacht.

Das ist heute obsolet. Jedes Handy kann Bilder verarbeiten, und größer sind druckfähige Bilddateien auch heute nicht. Adobe Programme laufen da wie dort gleich und Schriften unterscheiden sich ebenfalls nicht mehr. Es gibt nur wenig Unterschiede – und die sind Geschmackssache.
Am Ende kommt ein Druck-PDF raus und es ist völlig egal, ob dieses auf einem Apple oder einem PC erstellt wurde.

Wenn es am Apple keine Vorteile mehr gibt, kommen die Nachteile ins Spiel: Damals wie heute ist Apple etwas eigen. Nicht viel, aber doch soviel, dass man zb. beim Webdesign Probleme hat. Wie sieht eine Website auf älteren Internet Explorern aus? Klar kann ich dafür den PC emulieren, aber es ist nie das gleiche. Und es ist umständlich.

Dann gibt es noch die vielen kleinen Tücken, die da und dort am Nerv knabbern. Eine ganz wesentliche Sache ist, dass ältere Programme am Apple bald nicht mehr laufen, unter Windows aber meist noch lange.
Ein Upgrade einer älteren Applikation (meist Programme für Schulen oder Spezialanwendungen) ist am Apple seit Jahren nur mehr möglich, wenn man die alte Kiste originalverpackt aufgehoben hat – am PC geht das auch locker in der zeitgemäßen Umgebung. Dazu noch die ganzen Adapter, weil ja Apple immer eigene Süppchen kocht. Fast alles, was nicht original Apple ist, macht Ärger.

Einfache Bedienung?

Das hört man öfter mal. Manches klingt wie „Ich und meine Freunde fahren nur Autodrom, das macht mehr Spass und man hat nicht dauernd mit der Polizei zu tun!“ Im richtigen Leben startet man Programme, die da wie dort gleich funktionieren, wählt Dateien aus einer Box aus, installiert alle Jahre einen neuen Drucker.

Apple war mal recht intuitiv zu bedienen – im Vergleich zu Windows 3.11. Seit Windows 2000 war Apple etwas hinten nach, dann mit OSX Geschmackssache. Die Unterschiede wurden immer weniger.

Schneller? Langlebiger?

Ja, ein wenig - wenn man einen Apple mit einem halb so teuren PC vergleicht. Ein PC mit guten Komponenten ist genauso teuer wie ein Mac, genauso schnell und genauso langlebig. Aber am PC tausche ich das kaputte Teil aus (zb den Monitor), den iMac muss ich im Stück wegwerfen.

Und – ehrlich gesagt: Zu 99.9% wartet der Computer auf den Nutzer. Ein paar Sekunden Wartezeit pro Tag rechtfertigen den sehr hohen Preis nicht.

Bei neueren iMacs ist vor allem der Bildschirm gefährdet; er lässt sich schlecht reinigen und neigt zu Verfärbungen. Am PC verwenden wir EIZO-Monitore: Potthässlich, einfach zu reinigen. Überleben 3 Apples.

 

Was bleibt?

Geschmacksfragen. Wer Apple will, soll Apple nehmen. Aber eine wirtschaftliche Entscheidung ist ein Apple nicht. Und Religion sollte Privatsache bleiben.

 

Nachtrag: Wie man früher arbeitete

Oder: Wie bringt man eine ganze Zeitschrift auf eine Diskette?

Wir reden von Mitte der 90er. Unser erster Apple hatte 4Mb Arbeitsspeicher – das ist ein 1000stel von dem, was heute jeder PC von der Stange hat. USB Sticks gab es nicht, das Internet kam fiepsend übers Telefon. Ahja: Auch JPG-Kompression gab es nicht. Bilddateien waren groß.
Immerhin: Festplatten gab es, und zum Datenaustausch eben Disketten. 1,4 Mb.

Damals wie heute galt die Regel: Ein Foto soll mit 300dpi gedruckt werden. Das ergibt bei einem Titelbild (A4, 4C) etwa 10 Mb. Und dann gibt es ja auch noch viele weitere Bilder.
Wie soll man das – erschwinglich! - verarbeiten und vor allem: zur Druckerei bringen?

Das nächste Problem: Scanner waren damals entweder unter jeder Sau oder sauteuer. So ab umgerechnet einem Jahresgehalt war man in der semiprofessionellen Klasse. Andererseits: Einen Scanner brauchte man tatsächlich nur sehr selten, er rechnete sich nicht. Ein Jahresgehalt kann man besser investieren.

Also: so funktionierte das:

Zunächst einmal: Damals wurde viel genauer geplant, vor allem mit dem Bleistift. Der Text wurde zwar auch damals schon auf Computern erfasst und passte locker auf eine Diskette, die Bilder aber wurden im Original (meist als Dias) geliefert. Illustrationen kamen ebenfalls im Original oder sie mussten erst gemacht werden.
Man hielt also einfach mal graue Kästen frei und gestaltete die Seiten. Freisteller oder gar frei umflossenen Bilder gingen ins Geld, das vermied man.

Sobald klar war, welche Ausschnitte welcher Bilder in welchen Größen definitiv verwendet wurden, ging man mit dem Packen ins Reprostudio und ließ das scannen.

Und jetzt kommt der besondere Trick:

Ein Farbbild wurde schon beim Scannen in 5 Dateien zerlegt. Eine davon war ein Vorschaubild mit 256 Farben und 72 DPI, das auch noch zusätzliche Informationen enthielt: Wo auf der Festplatte der Reprofirma wurden die anderen 4 gespeichert.

Warum 4 weitere Dateien?: Jeder Farbauszug (C,M,Y,K) wurde einzeln gespeichert, weil die spätere Übertragung der ganzen Datei zum Belichter zuviel Rechenleistung benötigt hätte. Wenn die gelbe Platte belichtet werden soll, wird ja nur der Gelb-Auszug benötigt.

Als Grafiker bekam ich nur dieses Vorschaubild, von dem viele auf eine Diskette passen. Die Original-Scans blieben bei der Repro-Firma.
Nur diese Vorschauen baute ich in die grauen Kästen ein. Nochmal: Nie und nimmer hätte ein damals leistbarer Computer etwas anderes darstellen und und auch drucken können, als diese grobe Bildchen. Aber es reichte, um sich eine gute Vorstellung zu machen und das ganz sogar einem Kunden zu präsentieren.

Wenn alle Korrekturen gemacht waren, ging man wieder zu genau dieser Reprofirma und ließ die Litho-Filme ausgeben. Dabei wurden die Vorschaubilder gegen die dort gespeicherten Bilder ersetzt. Falls Bildbearbeitung – wie zb Freisteller – gewünscht waren, musste man die Repro damit beauftragen – nur diese hatte das Original. Mit Photoshop konnte ich das nur im Vorschaubild für den Kunden skizzieren.


Plus: Wie man früher arbeitete

Das löst immer wieder Erstaunen aus: Grafiker arbeiten doch immer mit Apple! Nein, Apple Computer haben heute weit mehr Nachteile als Vorteile.

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Kontakt: Chio (Christian) Maisriml Mag. Sabine König